30.12.2006

... spaßig: Helge Schneider im Admiralspalast

Kann es einen anderen Musik-Komödianten neben Helge Schneider geben? Ist in der weiten Welt des deutschen Comedy-Unrats irgendeiner oder gar irgendeine, die es mit ihm aufnehemn könnte? Ich glaube nicht.



Selbst an einem Abend wie dem gestrigen (29.12.2006), an dem er ab und zu auch mal bewusst Fahrt heraus nahm, machte es einfach riesig Spaß, sein Publikum zu sein. Ein Publikum, das im übrigen so heterogen zusammengesetzt war, wie ich es kaum je bei einem anderen Künstler gesehen habe. Da saß der Studienrat, der jeden halbwegs intelligenten Witz goutierte neben dem dickhalsigen Jungproleten, der am liebsten immer nur Katzenklo hören wollte. Zweiterer kam allerdings nicht so recht auf seine Kosten, denn Helge sagte unmissverständlich als Antwort auf einen Zwischenruf aus dem Publikum: "Wünsche können wir leider nicht erfüllen".
So lag dann auch besonders in den Zwischenmoderationen seine Stärke, die er scheinbar spontan zusammenreimte. Man fragte sich unwillkürlich: "Bringt er diese Späße jeden Abend, oder ist das alles improvisiert?" Da selbst der Bassist auf der Bühne das Ganze zum Schreien komisch fand, glaubte man gerne an die Spontankomik des Herrn Schneider. Aber sei's drum.
Der Höhepunkt des Abends war wohl ein Duett von Helge mit dem immitierten Udo Lindenberg, den man förmlich vor Augen wähnte, sofern man nicht vom Tränenlachen ganz unscharf sah. Unglaublich eine Passage, in der Helge alleine zweistimmig als Udo und Helge gleichzeitig sang.
Die Band war wider einmal exquisit. Besonders stach natürlich Pete York hervor, den ich schon aus der 80er Jahre TV-Serie "Super Drumming" kenne und der immer noch die selbe Art von unverwüstlichem Schlagzeugsolo über die Trommeln wirbelt. Die Leute liebten es!
Zum Ende ließen sich die älteren Herren dann aber doch nicht mehr so recht bitten. Denn in der Zugabe nahm Helge Schneider deutlich den Schwung raus, um bloß keine Stimmung mehr aufkommen zu lassen und gab noch einmal ein bisschen als gekonnter Jazzpianist an. Es war trotzdem ein hervorragender Abend und es wundert nicht, dass alle Aufführungen im Admiralspalast ausverkauft sind.

09.12.2006

... gegensätzlich: Hermann Nitsch vs. Rebecca Horn im Martin-Gropius-Bau

Zur Zeit kann man im Martin Gropius Bau zwei große Künstlerkonzepte in parallelen Ausstellungen erleben: Hermann Nitsch gegen Rebecca Horn, zweite Etage gegen erste Etage, Blut gegen Schmerz, Orgie gegen Psychologie, Theater gegen Poesie, Spiel gegen Ernst, Mann gegen Frau, Außen gegen Innen, Österreich gegen Deutschland. Besser könnten die Pole kaum liegen - ein Lob auf die Programmbelegungsplaner!



Hört man "Hermann Nitsch", denkt man an Blut und Provokation. Man sieht sofort das Bild eines dicken Österreichers, der im Almöhi-Look, Schlachtfieh und nackte Menschen an christliche Kreuze schlägt und mit allerlei Natursäften herumspritzt. Anlässlich der Promo zur Ausstellung im Martin-Gropius-Bau hörte man ihn nun aber unentwegt in jedes Mikrofon sagen: "Ich bin kein Provokateur und ich war nie einer."
Um nun die Vorurteile mit der Realität abzugleichen, ging ich in die Ausstellung, die sich als Retrospektive angekündigt. Gleich neben dem Eingang hängen große Fotodokumentation seines "Orgien Mysterien Theaters" und sofort springt mir etwas unerwartetes ins Auge: Dieser Mann ist ein Spiele-Designer! Die Aufstellungen der Beteiligten "Schauspieler" erinnern sehr an Spielbrettmuster, wie man sie von Mensch ärgere dich nicht, Malefitz oder Halma kennt. Symetrie, Ordnung und das Festlegen von Ereignisdramaturgien geben dem Spiel die äußere Form. Es geht sehr grafisch, wenn nicht gar ikonografisch zu bei Nitsch und alles folgt seinen Spielregeln, die er in Form von Partituren niederschreibt und mit den Akteuren abspielt. Die Themen sind österreichisch schwermütig und gehen immer aufs Ganze: Er denkt in Zyklen von Geburt, Leben und Tod oder von Schuld, Aufopferung und Vergebung und inszeniert seine Initiationsrituale um jeden einzelnen Schritt eines solchen Zyklus überdeutlich "erfahrbar" zu machen. Dazu werden alle Sinne angesprochen (was man in der Ausstellung leider nicht erfahren kann), denn zu jeder Einzel-Handlung (Eucharestie, Orgasmus, usw.) werden streng festgelegte Mengen von Flüssigkeiten mit bestimmten Eigenschaften (Farbe, Geschack, Geruch) verschüttet, um die Sinnlichkeit auf ein höchstmögliches Maß zu steigern. Er will absolute Intensität.
Er legt das existentielle Ritualbedürfnis (Wunsch nach einer appolinischer Strenge in der kontrolliert dionysische Ausbrüche möglich sind) von uns Neuzeitler frei (aus dieser Quelle ist wohl auch der Esoterik-Hype zu erklären) und befriedigt es mit starken Affekten. Er überdeckt die Antwort auf die zentralen Fragen nach dem Warum und Wozu mit extremen Erlebnissen. Da er sein Schaffen als Kunst und nicht als Therapie verkauft, sehe ich darin kein Problem und auch keine Provokation (im Gegensatz zu solch fragwürdigen Verfahren wie z.B. der Familienaufstellung, die Lebenshilfe sein wollen und auch nur Emotionstheater sind). Nein Nitsch will nicht heilen, er will anstoßen, wie es sich für einen ordentlichen Künstler gehört.
Manchmal engleist ihm dieses Vorhaben allerdings, etwa wenn er in seinen Partituren Menschenmassen über Schlachfelder führt (wenn ein Österreicher so was macht, bekomme ich spontan Angst), oder wenn er während seinen Aufführungen herumrennen muss, um die Darsteller am all zu lang ausgedehnten Wühlen in blutigen Innerreihen (Blutrausch) zu hindern.
Sein Werk ist eindrucksvoll und mehr will er wohl auch nicht. Man sieht und fühlt Intensität zum Sellbstzweck und sollte sich nicht all zu viel dabei denken.

Und Rebecca Horn?
Sie erlebte Intensität ohne Theater. Die Ausstellung zeigt es mindestens ebenso eindrücklich, wie die Blutorgien ein Stockwerk höher. Einige ihrer Bilder und Zeichnungen sind Abbilder der körperlichen und geistigen Schmerzen der Künstlerin. Man sieht wie sie beim Malen selbst auf der Leinwand oder dem Papier lag, wie sie ihren Schmerz mit bloßen Fingern in den Untergrund drückte. Hier gibt es Ähnlichkeiten zwischen Rebecca Horns Werk und den Bildern bei Nitsch - es sind Spuren oder übriggebliebene Relikte von einem künstlerischen Geschehen. Bei Nitsch von Außen provoziert, bei Horn von Innen, von sich heraus fließend.
Rebecca Horn lotet den Körper im Raum aus, erst geometrisch, dann inhaltlich und später geht sie an die Schnittstelle zwischen Innen und Außen, kratzt, sticht und durchdringt Oberflächen, hinter denen immer ein Innen liegt. (Das ist in Berlin in diesem Winter ja so wie so das Leitthema der Kunstschauen - siehe KW "Into me. Out of me.").
Alle ihre Arbeiten sind poetische Werke, die meistens weniger Worte bedürfen, als sie ihnen mitgibt (da kommt es dem Kitsch manchmal sehr nahe). Ihre kinetischen Maschinen spielen mit den Prinzipien der Ordnung und des Chaos (wie bei Nitsch der Einfluss Apollos und Dionysos), doch bei ihr ist die chaotische Spur reine Poesie. Wellen spiegeln einen Lichtstrahl zufällig aber wunderschön an eine Wand (fraktale Mathematik als Kusterlebnis) oder eine Farbspritzmaschine sprüht schwarze Farbe mit göttlicher Sicherheit genial auf eine Wand. Bei Nitsch wäre sie nur bekleckert.

Beide Ausstellungen sind sehenswert!

07.12.2006

... gekickt: Deutschland ein Pippi-Märchen



Kaum zu glauben, wie es Sönke Wortmann gelang aus einer so spannenden Fußball-Weltmeisterschaft, einen so langweiligen Film zu machen. Zum Glück habe ich es mir gespart, ins Kino zu gehen, als der Film "Deutschland ein Sommermärchen" neu rauskam, aber ich habe es auch vor dem Fernseher (gestern Erstausstrahlung auf Das Erste) kaum ausgehalten. Oliver Neuville bei seinen Problemen beim Pippimachen zuzusehen, ist einfach nicht spannend genug. Unfassbar wie lahm und wenig emotionalisierend der Film rüberkommt.
Dem Regiesseur scheint es schon genug der Ehre gewesen zu sein, als Teil der Mannschaft angesehen zu werden. Allerdings ist diese Mannschaft keine Expertentruppe für Regieführung und so hat Wortmann konsequent bis zu letzt seinen eigentlichen Beruf verleugnet. Jedenfalls ist im Film kein qualitativer Unterschied zwischen den Profiaufnahmen und den Bildern der "Poldicam" oder "Schweinicam" zu bemerken. Infosern ist auch zu verstehen, dass sich Herr Wortmann in den vielen Interviews während der Promotour seines Werks so unwohl fühlte.
Der Titel "Deutschland ein Sommermärchen" entfaltet seinen Charme besonders, wenn man die Szenen des Zeugwarts vor dem Spiel sieht. Da werden die Söckchen und Höschen wirklich so liebevoll hingelegt, wie für die sieben Zwerge die Löffelchen und Schüsselchen. Ähnlich bewegend sind diese Aufnahmen dann auch.
Wirklich unzumutbar wird es aber, wenn man sich vorstellt, der Titel könnte etwas mit "Deutschland ein Wintermärchen", dem Gedichte- bzw. Liederzyklus von Heinrich Heine bzw. Robert Schumann zu tun haben, denn besonders die Filmmusik ist so banal, dass sich jeder Bezug auf Heine-Schumann verbietet.
Alles in allem kann man nur hoffen, dass Wortmann Wort hält, wenn er sagt "in meinem nächsten Film soll auf keinen Fall ein Fußball vorkommen". Dieses Thema hat er auf jeden Fall totgefilmt.

... quaselnd: Schlingensiefs Anti-Theater ist Erlebnis-Theater

Christoph Schlingensief zeigt "Kaprow City", eine Theaterinstallation inspiriert durch den Künstler Allan Kaprow mit seinem Werk "18 Happenings in 6 Parts" in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.
Das Interessanteste Element des Abends ist Schlingensief selbst. Vor der Vorstellung macht er eine "Stadtführung", während der er wie ein Besessener erklärt, was er eigentlich will mit seinem Werk. Dabei wird deutlich, dass es ihm wirklich nicht ums Provozieren geht – er will verstanden werden. Allerdings ist es nicht immer ganz einfach ihm zu folgen, doch das weiß er natürlich selber. Er nimmt es hin, arbeitet sogar bewusst darauf hin, weil er in den gedanklichen Brüchen und Lücken gerade das Lebendige und Liebenswerte sieht.


Hier ein paar Tonaufnahmen aus der Stadtführung Schlingensiefs.
Christoph über:
- seine Schauspieler
- Demokratie und was daraus geworden ist
- Gedanken, die Zeit brauchen
- Kaprow City
- sein Jubiläum "25 Jahre Enfant terrible"

Mit "Kaprow City" setzt sich Schlingensief auch eine Art selbstzersetzendes Denkmal, denn auf allen Wänden und Monitoren finden sich Spuren von vorangegebenen Arbeiten. Er bezieht sich auf die Aktion in Wien, bei der er Asylbewerber in einen Container steckte, aus dem sie nach und nach abgeschoben wurden, man sieht die kleinwüchsige Queen beim Hitlergruß aus Salzburg und die Entrüstung in der englischen Presse, er erzählt von den Journalisten, die es liebten, endlich mal den Satz "Tötet Wolfgang Schüssel" zu schreiben (was ich ja hiermit auch mache), obwohl er auf der Bühne nie deutlich ausgesprochen wurde, usw. usf. Wir verstehen: Schlingensief schafft ein großes Gesamtwerk, das nun mit Kaprow City fortgesetzt wird. Er hat überhaupt was von einem sehr engagierten Lehrer, der uns weniger engagierte Schüler wachrütteln will. "Kommt her und seht, wie brüchig alles ist, glaubt nicht an Schönheit, lebt eure Behinderung aus, macht euer Ding und scheißt darauf." Das habe ich zumindest verstanden(?), und ich finde es prima.
Das eigentliche Schauspiel selbst ist, wie die meisten Happenings sind: Es gibt Längen und Knalleffekte wobei das Integrationslevel dadurch erhöht werden soll, dass man näher dran ist, oder davon abgehalten wird, eine Handlung nur erahnen kann, die man später von anderen erzählt bekommt, und dann verärgert ist, weil man ja eben nichts davon mitbekam. "Alle sehen was anderes" hieß das bei Kaprow und so auch bei Schlingensief.
Die Bewohner der Bühnenstadt sind mehrheitlich geistig behinderte Menschen, die in die Rollen von allerlei Promis schlüpfen: Lady Di, Prinz Charles, Jenny Elvers, Patty Smith usw. Wie Schlingensief mit seinen Schauspielern umgeht, macht oft Spaß und tut gut. Er spricht Behinderte nicht politisch korrekt als Mitmenschen an, sondern behandelte sie als Behinderte, die behinderte Sache machen, verquaste Ideen haben und in irgendwelchen Zwängen stecken bleiben. Sie sind uns „Normalos“ also nicht unähnlich, lassen aber glücklicher Weise das normative Über-ich vermissen. So können wir ungehindert auf unsere eigenen Abgründe gucken.

02.12.2006

... entschieden: Graffiti ist keine Kunst!

Bisher war ich zur Frage, wie man Graffitis werten soll, sehr unentschieden.
Ich hatte und habe gewisse Sympathien für die "reclaim the streets"-Bewegung, deren Forderung es ist, die kommunikativen Oberflächen der Stadt nicht ausschließlich von komerziellen Kommunikatoren besetzen zu lassen. Ich bin ein neugieriger Betrachter der vielen kleinen Street Art-Botschaften, die uns in Form von Papieraufklebern von allen Wänden mit Witz, Ironie, Absicht und manchmal auch Bosheit entgegen zwinkern. In ihnen steckt oft eine künstlerische Gerissenheit, die ich sehr anregend finde, charmant auch deshalb, weil sie früher oder später zur unvermeidlichen Abgerissenheit wird. Es gibt in der Szene Künstler wie z.B. swoon, die ihren Platz in den Galerien und Museen der Welt verdient hätten, und die es immerhin schon bis in den Kunstraum Bethanien geschafft haben (Backjumps – The Live Issue #2. Urbane Kommunikation und Ästhetik) oder die ganz legal Brandwände in SO36 gestalteten.


Aufgenommen heute Morgen vor meiner Haustür: Gestern war der Bus noch weiß. Die "Gestaltung" ist sicher kein Kunstwerk, sondern eindeutig eine Sachbeschädigung.

Doch was soll dieses idiotische Taggen von Häusern, Türen und (besonders ärgerlich) Autos (siehe Bild)? Im Gegensatz zum Treiben der Street Artists ist das Taggen strikt destruktiv. Es ist auf dem intellektuellen Niveau des Pissmarkensetzens (Revierbeanspruchung) und scheint mir nur ein Ausdruck der niedersten Stammhirntriebe zu sein. Es geht den "Schmierern" darum, ein Ego zuverteitigen, das aber nie von denen angegriffen wurde, die ihre Selbstbehauptungsbotschaften abbekommen. Deshalb ist es nicht als legitimes "Verteidigen" zu verstehen, sondern als Aufdrängen, wenn nicht besser sogar als "Angriff", gegen den sich wiederum verständlicher Weise eine Abwehrhaltung formiert. Man darf es übrigens nicht als Angriff der Besitzlosen auf die Besitzenden verstehen, denn die Beschädigungen (=Gewalttaten) treffen meist die Besitztümer von Menschen, die Angehörige des gleichen sozialen Millieus sind, wie die Aggressoren. Der Auslöser für dieses Verhalten ist darum auch nicht monokausal im (A)sozialen zu suchen, sondern schon eher in der Kulturlosigkeit, oder wie man heute sagt, in der Kulturferne der Akteure. Sprich es ist ein Bildungsproblem.
Die Dumpfheit der (wenigen!) Jugendlichen mit Spraydose ist tatsächlich nicht akzeptabel. Ein paar Hauseingänge weiter wurde vor einigen Tagen einer jungen Mutter unmissverständlich gedroht, die eine Gruppe Jugendliche am hellichten Tage dabei erwischte, wie diese den Eingangsbereich ihrers Wohnhauses von innen beschmierten. Wenn sie zur Polizei ginge, wüssten sie ja wo sie wohne, und das nächste Mal kämen sie dann nicht nur mit Spühflaschen, wurde ihr gesagt. Ich berichte es nur ungern, aber es waren alles türkischstämmige Jugendliche, deren Ansinnen es war, ihre Macht gegenüber einer deutsche Mutter auszuspielen. Das visuelle Pissmarkensetzen wird also von Repressalien, oder zumindest deren Androhung, innerhalb des Reviers begleitet. Wären sie von einer türkischen Mutter erwischt worden, hätten sie vermutlich ganz anders reagiert (,was aber nicht bewisen werden kann).
Wie soll man nun also reagieren? Eigentlich ist es schon zu spät, wenn man von geschehenen Taten zu einer Reaktion gezwungen wird. Wir sollten versuchen, es nicht soweit kommen zu lassen. Das sollte zumindest unser Anspruch sein. Deshalb muss massiv in Bildung und Kulturförderung investiert werden! Doch so leicht kommen wir da nicht raus, denn im Moment geschehen solche Dinge ja allen Ortens und somit muss eine adäquate Reaktion gefunden werden.
Ich habe heute morgen ganz spontan beim Anbblick des Busses vor meiner Tür beschlossen, dass ich das Taggen von Gegenständen in Fremd- oder Allgemeineigentum ab sofort als Sachbeschädigung werte. Ich akzeptiere es nicht länger, dass irgendeine Gruppe von Menschen öffentlichen Raum als ihren Machtbereich auffasst. Ich trete hingegen klar dafür ein, dass jeder Bewohner oder Besucher den gleichen öffentlichen Raum als seinen Einflussbereich ansieht und sich darum einmischt in dessen Benutzung und Gestaltung. Das ist natürlich eine semantische Gradwanderung, auf die ich die beschriebenen Kulturfernen, gegen die ich mich wende, nur schwer mitnehmen kann. Übersetzt in die Sprache der Menschen, für die der Begriff Ehre nicht nur ein hohles Wort ist (so wie für mich), sollte ich wahrscheinlich von Respekt sprechen. Ich erachte es als eine Respektlosigkeit, gegenüber der Unversehrtheit von Menschen und deren Besitztümern, wenn sie mit Farbe beschmiert werden. Deshalb verdienen die Schmierer auch keinen Respekt für ihre Taten, sondern Respekt für ihre Un-Taten, also dafür, dass sie nichts besprühen. Sollten sie es doch tun, muss die Exekutive dieses Staates ihr Gewaltmonopol ausüben und die Judikative richten. Womit ich mich leider in diesem Punkt in Enklang zur Berliner CDU stehe (wie konnte das passieren?). Das Schlagwort "Null Toleranz" mache ich allerdings sicher nicht zu meiner Wortwahl!